07.07.2018 / WM-Attersee: Zuwenig Wind, aber mit Spranger/Kopp würdige Sieger

07.07.2018 / WM-Attersee: Zuwenig Wind, aber mit Spranger/Kopp würdige Sieger

Es war alles angerichtet für  eine große Tempest-Party: 41 Boote aus sechs Nationen inkl. Boot aus Übersee (Neuseeland – der Doppelstaatsbürgerschaft sei dank), perfekte Organisation des UYCAs (dank Sponsoren auch aus dem Teilnehmerkreis gab es genügend Essen und Freibier), mit Gert „Blondl“ Schmidleitner ein Profi-Wettfahrtleiter. Und dann empfing uns der Attersee auch noch mit Sonnenschein und drei Beaufort aus Nordost. Doch schon bei der Eröffnung warnte „Blondl“, dass das nicht jeden Tag so sein wird.

Bei der Probewettfahrt am Sonntag (Siefer: Berger/Lassnig vom Mondsee!) und den beiden ersten Races am Montag war noch alles eitel Wonne. Am Dienstag ging sich noch eine Wettfahrt am Vormittag bei abflauendem NO-Wind aus, dann wars vorerst vorbei mit dem Wind. Keine Thermik, weil Gegenströmung. Sonne, Ruhe, Flaute.

Bis dahin zeichnete sich ein spannender Kampf um den WM-Titel ab: Spranger/Kopp (GER), Kujan/Kujan (GER), Erlacher/Wöhrer (GER) und die Schweizer Titelverteidiger Christen/Christen lagen vorne, alle hatten aber bereits einmal tiefer in den Punktetopf gegriffen mit einem zweistelligen Resultat, sodass nach einem Streicher alles anders werden kann.

Von den Österreichern zeigten nur die Newcomer vom Attersee (Heimvorteil ?!) Alexander „Axl“ Wiesinger/Thomas Tschepen auf, die mit zwei 4. Plätzen auf Zwischenrang 5 lagen. Die anderen mussten einsehen, dass Dichte und Qualität des Feldes so hoch waren, dass man nach einem schlechten Start jede Chance auf einen vorderen Platz verwirkt hat. Doch es waren erst drei von geplanten neun Wettfahrten im Kasten.

Nach mehr als 48 Stunden Warten auf Wind stellte sich am Donnerstag nachmittag erste Nervosität ein. Was, wenn wir keine gültige WM….

Der Wetterbericht sah eine Westfront vor, die am Abend eintreffen sollte und für Freitag sowieso Wind versprach. Als schon das Galadiner vorbereitet war, zogen dunkle Wolken auf, erste Regengüsse gingen nieder. Doch da kein weiteres Gewitter in Sicht und die WM in Gefahr war, wurde kurz vor 19h bei Westwind ausgelaufen.
Dann folgte das „volle Programm“. Der Wind frischte auf satte 6 Bft auf bei starken Drehern, trotzdem Start. Nach der ersten Runde begann er abzuflauen, beim Zieleinlauf eine Stunden später war fast schon Flaute. Trotzdem waren die „schweren Jungs“ vorne, die mehrfachen Ex-Weltmeister Frank Weigelt/Christian Rusitschka (GER) gewannen die WF. Mit einem dritten Platz konnten Christian Spranger/Christopher Kopp die Gesamtführung übernehmen, da ihre unmittelbaren Konkurrenten weiter hinten lagen. Es gab jetzt also zumindest eine gültige WM, wenn auch noch ohne Streicher, und genügend Gesprächsstoff fürs späte Galadiner.

Im Anschluss wurden tolle Film-Aufnahmen (mit Drohne!) von den ersten Tagen gezeigt. ITA-Präsident Manfred Schumi wurde mit der „Falconer-Trophy“ für seine Verdienste um die Klasse ausgezeichnet.

Der Schlusstag begann mit Regen und Flaute. Doch gegen Mittag wurde bei 2-3 Bft aus Süd ausgelaufen. In den kommenden 4 Stunden gingen sich dann doch noch zwei WF aus. Die erste bei relativ gleichmäßigem Wind, die zweite bei stark drehendem. Dazwischen musste die WF-Leitung die Bahn mehrmals umbauen, da nicht klar war, ob sich Süd- oder Westwind durchsetzt. Nach sechs WF und einem Streicher entschied ein Fotofinish über den Titel: Spranger/Kopp, in den letzten Jahren schon mehrmals knapp nur zweiter Sieger, hatten diesmal das glücklichere (und verdiente) Ende und krönten ihre konstanten Spitzenleistungen mit dem ersten WM-Titel!

Nur  einen Punkt dahinter Weigelt/Rusitschka, die mit dem Sieg in der 6. WF (Spranger/Kopp nur 12.) noch einmal kräftig aufholten. Die Bronzemedaille (auch nur zwei Punkte mehr) ging an die Titelverteiger Cornelia und Ruedi Christen, wieder einmal Vierte wurden die Schweizer Suter/Hochuli, die gegen Ende immer stärker wurden. Christian Spranger ist nach Frank Weigelt der Zweite, der sowohl als Vorschote als auch als Steuermann Weltmeister wurde.

Das kann man von den Österreichern nicht sagen: Wiesinger/Tscheppe wurden am Ende als 11. bestes Heimteam (erhielten  die „Newcomer-Trophy“ für den bestplatzierten Steuermann, der erstmals bei einer WM dabei war!) dahinter Schumi/Schumann als 17. (Startführung in der letzten WF wurde durch einen Dreher brutal beendet) und Berger/Lassnig als 21. Sie gewannen die „Sandbag Trophy“ für das bestplazierte Boot alter Bauart („Mark One“). Franz Niederleitner bekam die „Bengt Julin Trophy“ für den besten Teilnehmer unter 25 Jahren.

Doch insgesamt zeigte die österreichische Tempest-Klasse (neuer Präsident übrigens Viktor Lassnig vom Segelclub Schwarzindien am Mondsee) ein kräftiges Lebenszeichen: 11 Boote am Start, darunter mit Beisteiner/Clodi und Wiesinger/Tscheppe zwei neue Teams vom Attersee. Ursprünglich hätte mit Farthofer/Werner noch ein weiteres neues Attersee-Team mitfahren sollen. Doch ihr Boot wurde nicht termingerecht fertig. Die ITA hätte ihnen ein gleichwertiges Ersatzboot organisiert, doch das kam aus diversen Gründen nicht zustande.

Trotzdem ist zu hoffen, dass unsere Klasse am Attersee noch besser Fuß fast, wir werden versuchen dort künftig wieder regelmäßig Regatten abzuhalten.

Ergebnis (PDF) >>>

Rückschau „TracTrac“ Regatta Tracking aller 6 Wettfahrten >>>

Fotos >>>

Bericht auf der Website der Deutschen Klassenvereinigung >>>

Bericht auf der Website des Österreichen Segelverbandes (ÖSV) >>>