18.07.2016 / WM-Titel an Weigelt-Rusitschka, Schumi-Schumann auf Platz 10

18.07.2016 / WM-Titel an Weigelt-Rusitschka, Schumi-Schumann auf Platz 10

Eine WM in England ist immer wieder ein Abenteuer: Die lange Autofahrt, dann auf die Fähre, schließlich im Linksverkehr zum Zielort an der Küste, diesmal noch eine zweite Fähre, und dann in das malerische Cowes auf der Isle of Wight. Reisezeit von Wien ca. 24 Stunden inklusive Staus und Passkontrollen vor der Kanalfähre.

Belohnt wird man dafür mit einem Segelevent für rund 200 klassische Boote im Solent, zwischen dem Festland und der Insel. Wind zwischen 3 und 5 Beaufort, Tide fünf Meter, gewöhnungsbedürftige Strömung mit bis zu zwei Knoten. Mit 24 Booten ist das Tempest-Feld das zweitgrößte der Veranstaltung, aber das kleinste aller Zeiten. Denn statt früher rund 15 sind diesmal nur acht englische Boote am Start. Daher war es wichtig, bei einer bekannten Großveranstaltung zu zeigen, dass es uns noch gibt und wie schön und schnell die Tempest ist. Das Interesse aus anderen Klassen, das zeigten unzählige Gespräche rund um den Royal London Yachtclub (der Veranstalter) war groß, und hoffentlich können unsere britischen Freunde das nutzen.

Die Proberegatta und der erste Wettkampftag fielen gleich einmal ins Wasser, weil dem Race Committee zu viel Wind und Strömung war. Vom sicheren Hafen aus und unter Land sah es gar nicht so arg aus, aber wir konnten dann später am eigenen Leib erleben, wie schnell es unangenehm auffrischen kann. Außerdem segelt man fast  eine Stunde bis ins Startgebiet, unsere Bahn lag nahe am Festland. Doch es war Zeit genug, am Dienstag wehte es etwas weniger und die ersten drei Wettfahrten konnten über die Bühne gehen. Zuerst bei bis zu 20 Knoten Wind, dann flaute es ab.

Die Favoriten gaben sich keine Blößen. Weigelt/Rusitschka vorne weg, mit ihnen konnten nur Spranger/Kopp mithalten. Die Christens taten sich bei dem stärkeren Wind schwerer, Platz 3 war ihnen dennoch nicht zu nehmen. Auch ein ordentlicher Crash durfte nicht fehlen: Schollmayer/Sanguino fuhren Wende/Reichert mitten ins Vorschiff. Doch das riesige Loch konnte in der englischen Werft über Nacht (!) provisorisch repariert werden, so dass alle weiterfahren konnten!

Das heimische Team Manfred Schumi/Bernd Schumann hatte zunächst kleine Startschwierigkeiten, kam aber dann immer besser in Schwung. Speziell ab dem zweiten Tag fuhr man oft in der Spitzengruppe mit, Belohnung war ein dritter Rang in WF Nr. 4. Bei etwas schwächerem Wind fand man auch öfter Teams mit weniger Gewicht an der Schot im vorderen Bereich. Die beiden Top-Teams blieben aber ungefährdet. Interessant wurde es nach Ende der Wettfahrten am Mittwoch, als es auf einmal binnen Minuten auf 6-7 Beaufort auffrischte und wir noch ein ordentliches Stück bis in den Hafen hatten. Doch alle Boote überstanden das gut, ohne das Funkgerät für Notfälle, dass wir alle an Bord führen mussten, zu benutzen.

Nach drei Tagen und acht Wettfahrten standen Weigelt/Rusitschka dann bereits als Weltmeister fest (ihr dritter gemeinsamer, für Frankie wars der 5. – einer als Vorschoter, für Rusi auch der 5.), sie gewannen drei Wettfahrten. Die Österreicher hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt auf den 7. Platz vorgearbeitet, die Abstände zwischen 6. und 11. Platz waren aber knapp.

Beim letzten Race am Freitag bei wieder mehr Wind gewannen auch Spranger/Kopp ihre dritte Wettfahrt und sicherten sich so wie im Vorjahr den Vize-Titel, gefolgt von den Christens. Bei Schumi/Schumann ging leider alles schief. Nach gutem Start warf uns ein Fehler vor der Luvtonne ins Mittelfeld zurück, wurden dann am Spikurs als Leeboot von einem Engländer behindert, während die Konkurrenten alle unter den ersten sechs waren…

Daher nur Platz 12 in der WF und Rückfall auf den 10. Gesamtrang. Es bleibt aber trotzdem die gute Erinnerung an ein spektakuläres Segelevent und der Trost, dass noch genug „Luft nach oben“ wäre 🙂

Die WM 2017 findet jetzt definitiv vom 3. bis 10.September in St. Raphael an der Côte d’Azur statt.

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