09.09.2014 / WM Comosee: Wenig Wind und würdige Sieger

09.09.2014 / WM Comosee: Wenig Wind und würdige Sieger

Über die Wetterkapriolen dieses Sommer ist schon viel geschrieben worden. Auch die Tempest-WM in Domaso, eigentlich eines der schönsten Thermikreviere in Europa, blieb davon nicht verschont. Nur am Samstag, dem Anreisetag, zeigte sich der Comosee von seiner schönsten Seite mit 2-3 Beaufort den ganzen Nachmittag. Sonntag bewölkt mit Flaute, dann kam der Sturm. Mit Böen weit über 40 Knoten war am Montag zunächst nicht an einen Start zu denken. In der tollen Marina lagen die Schiffe zum Glück sehr sicher. Als der Wind weniger wurde, drehte er aber mit bis zu 100 Grad, sodass man erneut nicht Regatta segeln konnte.

Erst Dienstag zu mittag gab es bei Norwind um 4 Beaufort den ersten Start für die 31 Boote aus sieben Nationen (vier Schiffe, die gemeldet und bezahlt hatten fielen aus, zwei waren erkrankt, einer kam beruflich nicht weg, einer blieb bei seiner hochschwangeren Frau). Kurz nach der Zieldurchfahrt des letzten Bootes fiel der Wind zusammen, weitere Startversuche scheiterten, es drehte zu stark.

Das zunächst angesagte stabilere Schönwetter versprach für Mittwoch endlich Thermik. Ein Lauf mit 2 Bft. ging sich aus, ein Zweiter wurde von der WF-Leitung durchgedrückt, obwohl es ab der 2. Luvtonne spiegelglatt war und sich vor dem Ziel seltsame Dinge (wriggen, an Boje weiterziehen usw.) abspielten. Aber wenn man nach drei Tagen nur drei von neun Wettfahrten hat…

Donnerstag gab es wieder den ganzen Tag Flaute, sodass klar wurde, dass es möglicherweise diesmal keinen Streicher (erst ab der 5. WF) geben wird. In Führung lagen die Christens, die bei Leichtwind meist eine Macht sind, vor Plettner/Rusitschka (zwei Siege, aber auch einen 22. Platz) und Altmeister Rolf Baehr/Christian Spranger).

Ein Sonnenfenster am Freitag vormittag ermöglichte wenigstens einen (halbwegs fairen) Lauf, sodaß der WM-Titel (ohne Streicher) vergeben werden konnte. Allerdings war eine Seite nach dem Start stark bevorzugt, was einige Außenseiter nutzten. So siegte die Schweizern Pamela Kaltenmark, Wolfgang und Niko Rauch wurden Dritte!

Cornelia und Ruedi Christen genügte ein 6. Platz zum überlegenen Sieg. Nach Platz 3 im Jahr 2012 und dem Vizetitel im Vorjahr nun die Krönung für das sympathische Schweizer Ehepaar. Dahinter mit Plettner/Rusitschka und Wende/Reichert zwei deutsche Teams.
Die fünf österreichischen Boote schlugen sich wacker, jeder hatte aber auch seine Rückschläge. Ritschka/Steininger schafften als bestes einen 2. Platz, Schumi/Üblagger einen 4., Rauch/Rauch wie erwähnt einen 3. Auch Schellrat/Hribar und die Studentschnig-Brüder (mit dem drittältesten Boot) schafften einen 13. bzw. 14. Rang als bestes.

Im Endklassement lagen Ritschka/Steininger auf Rang 9, punktegleich mit Schumi/Üblagger (10.). Rauch/Rauch schafften mit Platz 12 ihr bestes WM-Resultat. 19. schließlich Schellrat/Hribar (Philipp segelte nach mehrjähriger Pause seine erste Tempest-Regatta) und 25. Felix und Matthias Studentschnig, denen ein paar PS mehr in Form eines neueren Bootes sicher guttun würde.

Ein Highlight in Domaso waren die “social events”: Beim italienischen Abend am Mittwoch packte Jean-Marie Thierry seine Gitarre aus und intonierte Songs in drei (!) Sprachen.
Bei der großen Fete am Freitag nach der Siegerehrung wurde zu Discosound auf den Tischen getanzt. Schon vorher hat mir Massimo Bernasconi, der lokale Organisator und sportliche Direktor des Circolo vela canottieri di Domaso gestanden, dass er total überrascht von den Tempest-Seglern war: Kein verbissener Haufen, der sich am Wasser bis aufs Blut matcht, sondern faire Segler, die ihr Boot beherrschen, aber am Land Spaß haben und eine familiäre Atmosphäre schaffen. Wir sind jederzeit wieder gerne willkommen in Domaso.
Das nächste Mal aber bitte mit dem Wind, für den der Lago di Como bekannt ist – die “Brevia”, sowas wie die Ora am Gardasee.

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